30.04.2026 - Witten - Revolutionäre Vorabenddemo: „Den Zuständen keine Ruhr! Wir bleiben Antifa! Gemeinsam – Solidarisch - Kämpferisch“
Am Abend des 30.04.2026 sind in nordrhein-westfälischen Stadt Witten über 1.000 Menschen auf die Straße gegangen, um für solidarische Kämpfe und gegen rechten Vormarsch und den kapitalistischen Normalzustand zu demonstrieren. Die Demonstration richtete sich außerdem gegen die anhaltende staatliche Repression und Überwachung von Antifaschist*innen, den fortschreitenden rechten Vormarsch sowie die Normalisierung rassistischer und menschenfeindlicher Positionen in weiten Teilen von Gesellschaft, Medien und Politik. Lautstark solidarisierten sich die Teilnehmer*innen mit den Opfern rechter Gewalt, forderten die Organisierung eines antifaschistischen SelbstschuKurtzes sowie die Verteidigung des militanten Antifaschismus.
Anlass für den Protest ist die elfte revolutionäre Vorabenddemonstration. Die „revolutionäre Vorabenddemo“ in Witten ist Teil einer linken, antifaschistischen Demonstrationstradition rund um den 1. Mai. Sie wurde ursprünglich über Jahre in Bochum organisiert und wird nun im Ruhrgebiet weitergeführt. Inhaltlich richtet sie sich gegen Faschismus, Kapitalismus, Ausbeutung, sozialgesellschaftliche Ungleichheit und betont Solidarität, feministische und antirassistische Perspektiven. Ziel dieser Demonstration ist es, Menschen am Vorabend des „Kampftags der Arbeiter*innen“ zu mobilisieren, Kämpfe zu verbinden und kollektiven Widerstand sichtbar zu machen.
Zu der abendlichen Demonstration unter dem Motto „Den Zuständen keine Ruhr! Wir bleiben Antifa! Gemeinsam – Solidarisch – Kämpferisch!“ hatte unter anderem die Antifa Witten aufgerufen. Unterstützt wurden sie von unzähligen antirassistischen, antifaschistischen und antikapitalistischen Initiativen und Gruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen. Sie alle rufen dazu auf, für eine solidarische Gesellschaft zu kämpfen und sich dem gesellschaftlichen Rechtsruck entschlossen entgegenzustellen. Die Demonstration verlief friedlich und ohne nennenswerte Zwischenfälle.
Am Abend des 30. April 2026 gingen in Witten für mehr solidarischer Kämpfe über 1.000 Menschen auf die Straße. Unter dem Motto „Den Zuständen keine Ruhr! Wir bleiben Antifa! Gemeinsam – Solidarisch – Kämpferisch.“ richtete sich der Protest gegen den rechten Vormarsch, soziale Ausbeutung, Ungerechtigkeit und den kapitalistischen Alltag. Zugleich kritisierten die Demonstrierenden die anhaltende staatliche Repression und Überwachung antifaschistischer Strukturen sowie die zunehmende Normalisierung rassistischer und menschenfeindlicher Positionen in Teilen von Gesellschaft, Medien und Politik. Immer wieder bekundeten sie ihre Solidarität mit den Opfern rechter Gewalt und forderten stärkere Organisierung – auch im Sinne antifaschistischen Selbstschutzes
Anlass für ihren Protest ist die sog. revolutionäre Vorabenddemo, die zum elften Mal im Ruhrgebiet stattfand. Die „revolutionäre Vorabenddemo“ im Ruhrgebiet ist eine jener politischen Ritualformen, die sich über Jahre einschreiben: als Auftakt zum 1. Mai, als verbindendes Moment zwischen unterschiedlichen linken Spektren – und als Gradmesser innerlinker Konflikte. Ihren Ausgang nahm die Reihe 2015 in Bochum. Damals formierte sich ein Bündnis aus antifaschistischen, autonomen und gewerkschaftsnahen Gruppen, das den Vorabend bewusst politisch aufladen wollte. Statt unpolitischer Folklore stand ein kämpferischer, internationalistischer und linksradikaler Anspruch im Vordergrund. Der Protest richtete sich gegen den herrschenden Kapitalismus, gegen rechte Mobilisierungen und für eine sichtbare, solidarische Gegenöffentlichkeit.
In den folgenden Jahren etablierte sich die Demonstration als fester Termin im Kalender der linksradikalen Szene. Getragen wurde sie von wechselnden Bündnissen – darunter lokale Antifa-Strukturen, feministische Initiativen und Zusammenschlüsse aus linksradikalen Zusammenhängen. Inhaltlich wechselten sich die thematischen Schwerpunkte von Jahr zu Jahr mit der politischen Lage. Mal standen Arbeitskämpfe und Prekarisierung im Zentrum, mal die Auseinandersetzung mit dem erstarkenden Rechtspopulismus rund um die „Alternative für Deutschland (AfD)“, dann folgten wieder feministische Kämpfe oder antirassistische Perspektiven. Die Demonstration blieb dabei bewusst offen für verschiedene linke Strömungen, ohne ihren konfrontativen Grundton zu verlieren.
Auch die Teilnehmerzahlen entwickelten sich mit der Zeit äußerst dynamisch. Während zu Beginn lediglich wenige hundert Menschen zur revolutionäre Vorabenddemo erschienen, wuchs die Demonstration in Hochphasen teilweise auf über tausend Teilnehmende an – nicht zuletzt in Zeiten intensiver politischer Mobilisierung, etwa während der sogenannten „Flüchtlingskrise“ in den Folgejahren 2016 / 2017 oder im Zuge bundesweiter rassistischer Protestwellen gegen die Aufnahme von Geflüchteten. Gleichzeitig gab es Jahre mit geringerer Resonanz, was die Abhängigkeit solcher Formate von politischer Großwetterlage und lokaler Mobilisierungsfähigkeit zeigte.
Ab 2020 verschob sich der Ton der „revolutionären Vorabenddemo“ spürbar. Die Corona-Pandemie wirkte auf Teile der deutschen Gesellschaft wie ein Brennglas. Während staatliche Maßnahmen den öffentlichen Raum deutlich einschränkten, radikalisierten sich Teile der deutschen Protestszene – auch nach rechts. Im Ruhrgebiet reagierten die Bündnisse mit einer stärkeren Fokussierung auf Verschwörungsideologien, Antisemitismus und die Anschlussfähigkeit rechter Narrative. Die Mobilisierung war in diesen Jahren sehr schwankend: teils kleinere, kontrollierte Versammlungen unter Auflagen, teils bewusst politisierte Aufrufe, die den 1. Mai als Gegenpol zu autoritären und rechten Tendenzen rahmten.
Mit dem Aufstieg der Alternative für Deutschland (AfD) in den Folgejahren und einer insgesamt sichtbaren Verschiebung des Diskurses nach rechts gewann die Vorabenddemo ab 2022/23 wieder deutlich an Zulauf. Themen wie soziale Ungleichheit, steigende Lebenserhaltungskosten sowie und explodierende Energiepreise wurden stärker mit einer Systemkritik verknüpft. Gleichzeitig rückten antifaschistische Analysen wieder stärker in den Mittelpunkt: Rechte Netzwerke, parlamentarische Erfolge der AfD und die Normalisierung ihrer rassistischer Positionen wurden offensiv adressiert. Die Demonstration verstand sich zunehmend als Ort, an dem soziale Frage und Antifaschismus zusammengedacht werden.
Nach rund einem Jahrzehnt in Bochum verlagerte sich die Demonstration erstmals in diesem Jahr in andere Städte des Ruhrgebiets, nach Witten. Dieser Schritt fiel in eine Phase, in der neue Bündnisse entstanden und alte Strukturen teilweise brüchig wurden. Dennoch blieb der Anspruch bestehen, ein breites Spektrum der radikalen Linken zusammenzubringen – von klassischen Antifa-Gruppen bis hin zu feministischen und migrantischen Initiativen. Inhaltlich blieb die Stoßrichtung ähnlich – antikapitalistisch, antifaschistisch, solidarisch –, doch die organisatorischen Strukturen wurden breiter und zugleich fragiler. In folge dessen zogen die Teilnehmer*innenzahlen in diesen Jahren wieder an, auch als Reaktion auf den gesellschaftlichen Rechtsruck. Gerade in Zeiten, in denen rechte Mobilisierungen sichtbarer wurden, verstand sich die Vorabenddemo als bewusst gesetztes Gegengewicht – laut, konfliktbereit und mit dem Anspruch, politische Räume nicht kampflos zu überlassen.
Der Einschnitt folgte im Jahr 2024. Innerhalb des Bündnisses kam es zu einem offenen Konflikt, nachdem kleinere Gruppen mit antisemitischen Positionierungen aufgefallen waren. Die Organisierenden reagierten mit Ausschlüssen und einer klaren Abgrenzung. Dieser Schritt war nicht nur eine unmittelbare Konsequenz, sondern auch Ausdruck eines länger schwelenden Konflikts: Wie lässt sich ein breites Bündnis aufrechterhalten, ohne zentrale emanzipatorische Grundsätze preiszugeben? Die Auseinandersetzung zeigte, dass der Kampf gegen den Rechtsruck nicht nur nach außen geführt wird, sondern auch nach innen – entlang von Fragen politischer Haltung, internationaler Solidarität und klarer Grenzen gegenüber menschenfeindlichen Ideologien.
Im vergangenen Jahr beteiligten sich rund 2.500 Menschen an der revolutionären Vorabenddemo. Unter dem Motto „Gegen den Faschismus und seine Finanziers“ richtete sich der Protest gegen die extreme Rechte und für ein gutes Leben für alle. Thematisiert wurden neben dem rechten Vormarsch der AfD auch prekäre Verhältnisse in den USA, wo US-Präsident Donald Trump – unterstützt von Tech-Milliardären wie Jeff Bezos, Larry Page und Elon Musk – die Demokratie schrittweise zu einer totalitären Oligarchie umbaut. Elon Musk finanzierte Trumps Wahlkampf und wirbt auch hier für die extrem rechte Alternative für Deutschland (AfD). Damit endete die Bochumer „revolutionäre Vorabenddemo“, die für eine gewachsene linksradikale Protesttradition ebenso steht wie für ihre inneren Brüche und Widersprüche.
In diesem Jahr steht die „revolutionäre Vorabenddemo“ in Witten unter besonderer Beobachtung: Nach dem Ende der langjährigen Mobilisierung in Bochum gilt es an die gewachsene Tradition anzuknüpfen und zugleich neue eigene Akzente zu setzen. Inhaltlich rücken Themen wie die Zuspitzung sozialer Ungleichheit, den anhaltenden Rechtsruck, die anhaltende Repression gegen antifaschistische Strukturen, Aufrüstung und Militarisierung in den Mittelpunkt. Auch internationale Konfliktlagen, steigende Lebenshaltungskosten und die Frage nach kollektiven Antworten auf kapitalistische Krisendynamiken sollen thematisiert werden. Die Veranstalter*innen versuchen, die unterschiedliche Kämpfe zusammenzuführen, politische Handlungsfähigkeit zu stärken und nach den inneren Konflikten der Vorjahre wieder eine gemeinsame, entschlossene Praxis sichtbar zu machen.
Gegen 19.00 Uhr versammelten sich die Demonstrant*innen vor dem Hauptbahnhof in Witten zu ihrer Auftaktveranstaltung. Gegen 19.45 Uhr setzte sich der Aufzug in Richtung Innenstadt in Bewegung. Nachdem es aus dem Aufzug heraus Pyrotechnik gezündet und Teilnehmer*innen vermummt hatten, stoppte die Polizei die Demonstration in der Ruhrstraße. Nach einigen Diskussionen zwischen der Polizei und den Veranstalter*innen ging es dann weiter in Richtung Kornmarkt. Auf dem Ossietzkyplatz stoppte die Demonstration für eine kurze Zwischenkundgebung. Die Demonstration erreichte gegen 21.15 Uhr den Rathausplatz, dort endete die Veranstaltung nach einer Abschlusskundgebung. Diese verlief weitgehend friedlich, lediglich am Rande kam es in der Galenstraße zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen Demonstrant*innen und zweier Anwohner*innen. Die Polizei nahm später eine Person vorübergehend fest.
Quellenangaben / Aufruf:
• antifawitten.noblogs.org/post/2026/revolutionaere-voraben...
• antifabochum.noblogs.org/category/revolutionaere-vorabend...
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Stand: November 2022