Das Deutsche Arbeitskampfrecht ist untrennbar mit der Person Hans Carl Nipperdey (SA-Mitglied und Initiator der linientreuen Fachzeitschrift "Deutsches Arbeitsrecht") verwoben, der auch das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit mit-entwarf (betriebliches Führerprinzip; "Gefolgschaft" statt "Belegschaft"). Nach dem Krieg wurde er Richter am BAG und entwarf den Schadensersatzanspruch für (zu unrecht) bestreikte Unternehmen (IGMetall musste 40 Mio. DM zahlen).
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https://www.deutschlandfunk.de/igh-staerkt-arbeitnehmerrechte-100.html
Wer mehr Details über den auch sonst zweifelhaften Ruf von Herrn Nipperdey erfahren möchte, findet reichlich dazu auf Wikipedia.
Noch während meiner Ausbildung hieß die Loseblattsammlung des Arbeitsrecht in Anlehnung an ihn "Der Nipperdey".
Um zu verstehen, worum es in diesem Kampf auch geht: Er hat der Bundesrepublik eines der restriktivsten Streikrechte eingehandelt, das man in Demokratien findet.
Es geht also darum, das KollektivarbeitsR auf Augenhöhe mit westlichen Demokratien zu bringen.
Dazu gehört namentlich, dass der Begriff des "wilden Streiks" endlich an die Mindeststandards des Europarats, der EU-Grundrechte und der UN angepasst wird.
Warum das ein riesiges Problem ist, könnt ihr googeln in der Berichterstattung rund um den Arbeitskampf der Gorillaz-Lieferfahrer:innen. Ich empfehle dazu taz und nd von damals.
Das Erbe von Nipperdey abzuwickeln ist eine Aufgabe, die vor Jahren fällig gewesen wäre. Es ist gut, dass das nun Gestalt annimmt.
Übrigens war Hans Carl Nipperdey nach dem Krieg der #SPD "durch Parteibuch verbunden", wie der Spiegel berichtete.
https://www.spiegel.de/politik/erst-ja-dann-nein-a-afde5984-0002-0001-0000-000046172471
Gern auch dazu: "Den Unternehmern treu ergeben":