Protocols not Platforms! Verantwortung für Offene Standards übernehmen
Gemeinschaftlich gepflegte Internet/Web-Protokolle & Formate haben für eine nachhaltige technische Infrastruktur eine zentrale Bedeutung, sind sie doch Voraussetzung für robuste, interoperable, verlässliche und möglichst wartungsarme gemeinsame Informationsinfrastrukturen. Dementsprechend basieren Dienste und Projekte von Infrastruktureinrichtungen meist auf einer Vielzahl von Standards zur Publikation, zum Austausch und zur Abfrage strukturierter Daten im Web, was durch den anhaltenden Trend zu Linked Open und FAIR Data, Web-APIs und Knowledge Graphs noch verstärkt wurde.
Entwickelt und gepflegt werden solcherlei Standards durch Mitgliedsorganisationen und andere Aktive in Zusammenhängen wie dem World Wide Web Consortium (W3C), der Internet Engineering Task Force (IETF), der Dublin Core Metadata Initiative (DCMI) oder dem Kompetenzzentrum für Interoperable Metadaten (KIM).
Der Vortrag möchte auf zwei Leerstellen in der Beziehung zwischen Infrastruktureinrichtungen und offenen Standards hinweisen:
Es mangelt an systematischen Ansätzen, um beim Aufbau neuer Infrastrukturknoten – etwa im Rahmen von Programmen wie der NFDI oder anderen Förderprojekten – sicherzustellen, dass existierende standardisierte Datenmodelle, Schnittstellen und Protokolle tatsächlich Anwendung finden und nicht parallele Ansätze neu erfunden werden.Es fehlen Strukturen im deutschsprachigen Raum, die einen Überblick über die Landschaft behalten, Förderinstitutionen und Entwicklungsprojekte mit ihrer Expertise unterstützen sowie an der (Weiter)Entwicklung von Standards partizipieren.Aus der Perspektive eines Metadatenpraktikers, der in verschiedenen Standardisierungskontexten aktiv ist, möchte der Vortrag anhand von Zahlen und Beispielen ein strukturelles Problem ins Bewusstsein rücken und eine Diskussion von Lösungsansätzen anstoßen.