"Die Schriftrolle von gestern ist das Storytime-Video von heute [...]."
Reichl, Teresa (2023). Muss ich das gelesen haben? Haymon Verlag.
"Die Schriftrolle von gestern ist das Storytime-Video von heute [...]."
Reichl, Teresa (2023). Muss ich das gelesen haben? Haymon Verlag.
"Klassiker lesen hilft eben auch dabei, zu verstehen, wo wir und unser verkorkstes Weltbild herkommen."
Ha, okay, das ist mal ein Pro-Argument für das Lesen von Klassikern, das ich nachvollziehen kann.
@fuzzyleapfrog ich habe versucht, Twilight zu lesen, aber ich bin wohl zu dumm dafür.
@Stefan_S_from_H Ich denke nicht, dass "dumm" hier das richtige Wort ist. Es ist Literatur - manches sagt zu, manches nicht - zu manchem findet man Zugang, zu manchem nicht - und man kann auch Literatur lesen/analysieren ohne sie zu mögen.
@fuzzyleapfrog
Da steckt mehr drin, als auf den ersten Blick sichtbar (und auch meine Begründung dafür, wieso Klassiker wichtig sind, und wieso Tolkien (Bücher) und StarWars (Filme) dazu gehören¹.
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¹beides nur Einzelbeispiele für einen Kanon.
@fuzzyleapfrog hm, ich auch. ich habe mich mal durch uk kinderbuchklassiker (peter pan, jungle book, alice in wonderland, ...) gelesen, mit ähnlich motivation. also um etwas über die kultur zu erfahren, aus der diese stammen und über die, die damit aufwachsen.
@julia Das macht so viel Sinn!
Und ja, sie diskutiert vorher seitenweise was das eigentlich sein soll.
"Es sind viele kleine Dinge, eben auch in der Literatur, die Diskriminierung festigen und fördern. Auch deshalb ist es unglaublich wichtig, Literatur aus unterdrückten und marginalisierten Perspektiven zu lesen, wo immer es geht."
"[...] lesen wir Geschichten über Frauen von Männern, über trans* Personen von cis Personen, über Schwarze, indigene und Menschen of Colour von weißen Personen, über jüdische Personen von christlichen und über behinderte Personen von nicht-behinderten. Und dann wundern wir uns auch noch, wie es sein kann, dass wir ein komplett falsches Bild von all diesen Menschen haben. Dabei ist es so einfach: Wir hören ihnen nicht zu. Komplett mit Absicht, seit Jahrhunderten."
@fuzzyleapfrog *es mal kauf und les* o:
@StripeyYena Habe es mir geliehen bei meiner Bibliothek. Es ist immer noch recht anstrengend zu lesen, auch wenn es das versucht nicht zu sein, aber wirklich sehr sympathisch.
Sie diskutiert im Anschluss Gründe und ich möchte einen ergänzen, der mir oft auch in der Wissenschaft begegnet: Wir werten marginalisierte Stimmen ab, indem wir ihnen fehlende Objektivität unterstellen, als wären nicht marginalisierte Stimmen objektiv. Wir legen hier also einen Standard selektiv an.
"Was ist denn dieser Schulkanon eigentlich, den es offenbar offiziell gar nicht gibt? Wer hat den gemacht? Wer ist da drin? Wer nicht? Und wieso? Und meine Kernfrage: Wieso sind das fast alles Männer? Weiße Männer, um genau zu sein. Weiße cis Männer. Weiße, christliche cis Männer. Weiße, christliche, hetero cis Männer. Weiße, christliche, hetero cis Männer ohne Behinderung. Weiße, christliche, hetero cis Männer ohne Behinderung aus der 'oberen Gesellschaftsschicht'."
Musste gerade laut lachen und der Herr neben mir im Zug guckt jetzt pikiert.
"Aber Faust ist quasi DAS deutsche Drama überhaupt. [...] Das berühmteste, meistzitierte Werk der deutschen Literaturgeschichte, auf das sich immer noch alle Literaturwissenschaftler*innen und Lehrkräfte einen runterholen. Nur wieso eigentlich?"
Apropos, nachdem ich neulich "Doktormutter Faust" von Fatma Aydemir gelesen und mich dabei fast durchgehend geschüttelt habe, ist mir erst wieder eingefallen wie sehr mich Faust aufgeregt hatte.
"So wirklich selbst ausgedacht hat Goethe sich die Geschichte nicht. Das ist ja insgesamt ein Thema bei Klassikern: Sie sind im Grunde oft einfach sehr gut geschriebene Fanfiction also reale Personen oder Begebenheiten verwoben mit Fiktion."
Hey, Real Person Fanfiction (RPF) ist doch nicht die einzige Art Fanfiction und ohnehin eher die weniger schöne Ecke! Aber wohl wahr, dass viele Werke Fanfiction sind, also auf realen oder von anderen erdachten fiktiven Personen und Begebenheiten aufbauen.
"Über den zweiten Teil will ich übrigens wirklich nicht reden, weil, puh, war Goethe da alt und auf Droge, das muss wirklich niemand verstehen und den liest man komplett zu Recht nicht in der Schule." @schmittlauch
"Dass es nichts gibt, ist kompletter Bullshit. Frauen haben geschrieben, immer schon. Sie sollten jedoch nicht. Sie wurden aktiv davon abgehalten, schreiben zu lernen, zu lesen, zu veröffentlichen, und – sollten sie das doch geschafft haben – wurden sie nach ihrem Tod wieder aus den Regalen, Bibliotheken und Leselisten verdrängt."
"Das Q in Literatur steht für 'queer'."
"Wie die großen Philosoph*innen aus dem Musical The Prom schon sagten: 'You can't cherry-pick the Bible choosing which parts you want to believe.' Entweder durchziehen oder Maul halten!"
"Im Deutschen lieben wir es, hochgeistig und kompliziert zu schreiben. Wir lieben Fachbegriffe und Nebensätze, alles, was fancy klingt, klingt automatisch 'schlau'. [...] Wie oft mir schon gesagt wurde, ich solle mir meinen Dialekt abtrainieren, damit die Leute nicht meinen, ich sei 'blöd'. [...] Das heißt dann wiederum, dass ich es nicht wert bin, dass man mir zuhört. Ganz egal, was ich sage."
Das erinnert mich wieder einmal an die Frau im Zug, die Small Talk machen wollte und der Meinung war, dass ich mich "nicht meinem Bildungsniveau entsprechend kleide". Aussprache, Kleidung, Haarschnitt, Tasche und alles andere müssen für viele offenbar einem bestimmten Bild entsprechen. Einem Dresscode. Als hätte irgendetwas von all dem quasi naturgemäß etwas mit "schlau" sein zu tun, statt mit unserer klassistischen Gesellschaft.
Wow, Teresa Reichl hasst Thomas Mann wirklich. Ich kann da aber auch null gegenhalten.
@fuzzyleapfrog Ich mag eigentlich Thomas Mann und weiß deshalb nicht, ob ich das Buch von Reiche lesen will, weil ich dann vielleicht das Gefühl habe, dass das falsch ist. 🙈
@MBrandtner Ich glaube, dass es gerade bei sowas doch mega spannend ist andere Positionen zu lesen, oder? Subjektivität ist bei Literatur ja irgendwie Kern der Sache. Könnte also durchaus spannend für dich sein, auch wenn du am Ende sagst: "Man, hat die Unrecht!"
@fuzzyleapfrog Das <3
Ich dachte, es wäre längst wissenschaftlicher Konsens, daß es Intersubjektivität gibt, nicht jedoch Objektivität?