PeerTube statt YouTube: Wie wir über 1.000 Videos umgezogen haben
Videos lädt man bei YouTube hoch. Das ist bequem, kostet scheinbar nichts und funktioniert. Aber gerade wer eine Community aufbaut, Inhalte monetarisiert oder Videos auf der eigenen Website einbettet, zahlt dafür einen Preis: Abhängigkeit von Plattformregeln, Tracking, Fremdwerbung und im Zweifel der komplette Verlust des Kanals. In einem aktuellen Projekt haben wir gezeigt, wie es anders geht: Tech-Blogger Sascha Pallenberg hat seinen YouTube-Account mit rund 1.000 Videos auf eine eigene Video-Plattform umgezogen: zu pallenberg.video, umgesetzt mit PeerTube.
Warum YouTube mehr als ein Videoplayer ist
Viele Unternehmen nutzen YouTube, die Video-Plattform von Google, vor allem als kostenlose Video-Ablage, um Inhalte anschließend auf der eigenen Website einzubetten. Das funktioniert ohne großes technisches Knowhow und man spart man sich den Betrieb eines vermeintlich teuren Video-Servers. Andere, wie unser Kunde Sascha Pallenberg, haben Community-basierte Video-Channels, machen Livestreams und treten dort in direkten Kontakt mit ihren Abonnenten. Der Preis für die scheinbar kostenlose Dienstleistung von YouTube: Google setzt Cookies und bekommt mit, was sich User auf Drittwebseiten anschauen. Dazu kommt Werbung vor, während und nach Videos, auf die man wenig Einfluss hat. Und wenn ein Kanal aus unerfindlichen Gründen mal gesperrt wird, sind Inhalte und Follower verloren.
PeerTube ist Teil des Fediverse. (Grafik: Peertube)PeerTube als Alternative für die eigene Video-Plattform
PeerTube ist eine freie Open-Source-Software zum Veröffentlichen und Hosten von Videos ohne Lizenzkosten. PeerTube ist Teil des Fediverse, also eines Netzwerks dezentraler Social-Media-Plattformen (z. B. Mastodon, Pixelfed & Co.), die miteinander kommunizieren können. Der zentrale Unterschied zu YouTube: Es gibt nicht „den einen“ Betreiber. Stattdessen können Unternehmen, Organisationen oder Creator ihre eigene PeerTube-Instanz betreiben: unter eigener Domain, mit eigenem Design, eigenen Regeln und eigener Datenhoheit. Besonders spannend für viele: PeerTube unterstützt auch Livestreams und kann im Anschluss automatisch eine Aufzeichnung als Video veröffentlichen.
Aus der Praxis: Unser PeerTube-Server Bonn.video
Wir betreiben seit Januar 2023 unseren eigenen PeerTube-Server unter Bonn.video. Wir haben dafür einen Server (virtuelle Maschinen) bei unserem Hoster tänzer:digital in Bonn gemietet. PeerTube vergleichsweise sparsam bei den Ressourcen. Der meiste Aufwand entsteht beim Hochladen, weil PeerTube die Videos in mehrere Qualitätsstufen umrechnet, damit die Videos auch auf einem Handy mit geringer Bandbreite flüssig laufen. Danach muss der Server aber nur noch Dateien ausliefern, was nur noch vergleichsweise wenig Ressourcen benötigt.
Ein echtes Highlight ist der Import aus YouTube. PeerTube kann öffentliche Videos eines YouTube-Kanals automatisch übernehmen. Titel, Beschreibungen, Schlagwörter und Vorschaubilder werden dabei mitgezogen. Damit entsteht nicht nur eine Kopie, sondern ein echtes Sicherheitsnetz. Selbst wenn man PeerTube zunächst nur als Backup nutzt, hat man die eigene Videobibliothek plötzlich wieder in der Hand. Und natürlich kann man die Videos dann auch auf der eigenen Website einbetten, ohne dass Werbung eingeblendet wird oder man sich mit typischen Drittanbieter-Lösungen behelfen muss, die vor dem Abspielen erst einmal eine Zustimmung erzwingen.
Screenshot aus dem PeerTube-Backend mit den synchronisierten Kanälen Bonn.digital, Barcamp Bonn und Bundesstadt.comDas Projekt pallenberg.video: über 1.000 Videos umziehen, ohne den Alltag zu sprengen
Sascha Pallenberg ist mit seinem Format MeTacheles ein in Tech-Kreisen sehr bekannter Blogger. Über tausend Videos hat er in den letzten Jahren auf seinem Kanal gesammelt. Die sollten auf eine PeerTube-Instanz unter der Adresse pallenberg.video umgezogen werden.
Sascha wünschte sich eine „fully managed“-Lösung, ohne sich neben seinem Tagesgeschäft noch mit dem Serverbetrieb beschäftigen zu müssen. Gemeinsam mit unserem Technikpartner Sebastian Tänzer haben wir das Setup geplant und umgesetzt. tänzer:digital hat dabei den soliden Unterbau geliefert, also alles, was man im Hintergrund braucht, damit ein Dienst zuverlässig und sicher läuft (Firewall, Backups, Monitoring, Updates, Testumgebung). Wir haben die PeerTube-Instanz anschließend so eingerichtet, dass sie direkt nutzbar ist. Dazu gehörten Accounts, Kanäle, Design, Plugins, die Anbindung ans Fediverse und natürlich der abgestimmte YouTube-Import. Am 18. Januar 2026 waren alle Importe abgeschlossen, alle Videos transkodiert und Sascha konnte seinen Video-Server übernehmen, zur Freude der Fediverse-Community und seiner selbst. Das Ergebnis könnt ihr euch unter pallenberg.video anschauen.
https://bonn.social/@pallenberg@mastodon.social/115915195547757947
Vorteile einer eigenen PeerTube-Instanz?
- Eigene Plattform: Inhalte, Regeln und Verfügbarkeit liegen bei euch
- Automatisches Backup aller Videos, die ihr produziert habt
- Datenschutzfreundliches Einbetten auf der eigenen Website – ohne YouTube-Tracking
- Keine Fremdwerbung
- Livestreams ohne Werbeunterbrechung (und mit automatischer Aufzeichnung)
- Fediverse-Reichweite: Inhalte sind abonnierbar und kommentierbar auch aus Mastodon und Co.
- Erweiterbar per Plugins (z. B. bessere Player-Funktionen, Untertitel-Tools, Streaming-Features bis hin zu eigenen Werbeanzeigen)
- Automatischer YouTube-Import (solange verfügbar): weniger manueller Aufwand, kein Doppel-Upload.
- Ein gutes Gefühl, die eigene Videobibliothek wirklich unter eigener Kontrolle zu haben.
Fazit: Peertube lohnt sich!
PeerTube lohnt sich vor allem dann, wenn ihr nicht nur gelegentlich mal ein Video hochladet. Wer Videos datenschutzfreundlich einbetten möchte, keine Lust auf Fremdwerbung hat und die eigenen Inhalte langfristig absichern möchte, sollte sich eine eigene Instanz anschauen. Wenn ihr das nicht selbst betreiben wollt, setzen wir euch zusammen mit tänzer:digital PeerTube auf und kümmern uns um Betrieb, Updates und die saubere Migration eurer Inhalte.
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