Hier in Victoria BC war ich gestern in zwei total netten Buchläden mit u.a. antiquarischem Angebot. (Russell Books, Fort Street, sowie das hier ziemlich bekannte Munro's). Beim Bücherregale auf mich wirken lassen musste ich unweigerlich auch an Diskussionen im Fediverse über das destruktive Scannen einzelner Bücher denken. Ich glaube, was viele Menschen in Antiquariaten sehen (bitte korrigiert mich, wenn ich hier falsch liegen sollte): "Wow, so viele Bücher! Wahre Schätze!" Oder so ähnlich? 1/n
Was Leute aus der Buch- und Bibliotheksbranche sehen ist eher: wow, viele tausend Bücher - was für ein Aufwand muss es sein, die hier ständig für so ein Publikum bereit zu halten. Der Laden wird im Normalbetrieb viel Schwund in Kauf nehmen müssen, denn wo so viele Menschen sind, kommen Viecher an das Papier, Temperaturen schwanken, Bücher werden ungeschickt geöffnet etc. Aber glücklicherweise macht das gar nichts, denn: 2/n
Diese +10.000 Bücher sind ein Tropfen im Meer, im Vergleich zu den +10.000.000 Büchern, die z.B. nachgewiesen sind allein im K10plus, dem gemeinsamen Katalog einiger großer deutscher Bibliotheksverbünde. Darunter sind mehrere Landes- und Nationalbibliotheken, die seit... quasi immer, ALLE Bücher sammeln. Und ein Heer tausender Vollzeitbeschäftigter an z.B. Unibibliotheken, die dann alles NOCHMAL sammeln, einschließlich alles, was den großen Bibliotheken auch mal durch die Lappen gehen mag. 3/n
Und "Sammeln" heißt bei diesen Leuten: mindestens die wirklich letzten ca. zwei Kopien JEDES dieser Millionen Bücher stehen an mindestens zwei verschiedenen Bibliotheken (Landes- und National) in Magazinen, von Profis aufbewahrt. Und nerdmäßig der totale Wahnsinn: die WISSEN exakt, was sie da gesammelt haben. Alles erfasst in x-fach redundanten Datenbanken, seit Jahrzehnten unter Open-Data-Policies für jedermann zugänglich. 4/n
Täglich checken und bearbeiten allein ca. 1.000 Bibliotheken aktiv an ihren Bestandsdaten in einem (!) der deutschen Bibliotheksverbünde, dem GBV.
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Bitte, versteht mich nicht falsch. Ich mag Antiquariate, wie gesagt.
Aber bitte fragt Leute vom Fach, wenn ihr z.B. wissen wollt, wie wahrscheinlich es ist, dass sich in einem Antiquariat was bestellen lassen könnte, was wirklich rar ist, und von kaum jemandem sonst digitalisiert werden könnte. Fragt uns sowas einfach, bitte. Wir haben das studiert, literally. (Oder folgt uns hier, mit Openbiblio gibt es hier eine ganze Instanz mit hunderten aktiven Accounts von Menschen aus der Branche.)
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